Ein VISIONÄR — Ein deutsches Drama. Carl F.W. Borgward
von Christian Schamburek
Alles begann am 10. November 1890
Im Juli 2012 jährt sich eines der grössten Wirtschaftsdramen der deutschen Geschichte zum 51. Mal. Noch immer, viele Jahrzehnte nach der Pleite des Borgward Imperiums mit den Firmen Borgward, Lloyd und Goliath gibt es vielerorts, und besonders in Bremen, wehmütiges Seufzen angesichts der tragischen Geschichte des genialen Konstrukteurs und Visionärs Carl F.W. Borgward.
Er war ein patriarchalischer Unternehmensführer, den einerseits technische Weitsicht zu Ruhm und Ansehen, aber andererseits wirtschaftliche Kurzsicht zum Untergang geführt hat. Alles begann am 10. November 1890, in der Stadt Altona. Als erster gemeinsamer Sohn des Kohlenhändlers Wilhelm und seiner Frau Sophie, die in Summe 13 Kinder in die Welt setzte, wuchs klein Carl im Trubel einer Großfamilie auf. Schon früh erkannte seine Mutter die ungewöhnlich analytische Bastelleidenschaft des Sohnes. Da man aber durchaus andere existenziellere Sorgen zu bewältigen hatte, wurde dieser besonderen Begabung wenig Augenmerk und schon gar keine Bedeutung zugemessen.
Carl unterschied sich von anderen Jungen seines Alters insofern, als er die Dinge seines Interesses nicht zerlegte um sie zu zerstören, sondern um sie zu verstehen und sie möglichst ohne Beschädigung wieder zusammenzubauen. Die erste Begegnung mit einem Automobil gehörte sicher zu den beeindruckendsten Erlebnissen dieser Zeit und pflanzte in Carls Gehirn den festen Wunsch ein, einmal selbst ein Auto zu bauen. Auf seinen Streifzügen in der näheren Umgebung seines Elternhauses wird ein dort ansässiger Altwarenhändler zu einem treuen Verbündeten in Sachen technischer Belange und Carl ein guter Kunde. Aus einer dort erstandenen starken Uhrenfeder baut er in stundenlanger Arbeit in einem Schuppen hinter dem Haus, unbehelligt von seinen Geschwistern, sein erstes Automobil – mit Feder zum Aufziehen.





