Freitag, 17. August 2018
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60 Jahre Bosch Motorsport in Österreich — Meilensteine und Erfolge

von Christian Schamburek

60 Jahre Motorsport II

In den vielen Jahrzehnten fuhren praktisch alle prominenten Piloten im Bosch Racing Team, wie Niki Lauda, Dieter Quester, Jo Gartner, Franz Wittmann, Franz Wurz, Erwin Zimmermann und viele andere mehr. Jurkowitsch kennt sie alle und es entstanden dadurch auch lebenslange Freundschaften. Mit diesen Fahrern war Bosch auch in allen erdenklichen Motorsport-Arten vertreten. Formel 1, Formel 2, Formel 3, Formel-Renault, Tourenwagen, Rallye, Motorboot, Motorrad, Speedway, Kartsport und andere. Die breite Palette an Cups, die gesponsert wurden, trug ebenfalls zur Bekanntheit der Marke Bosch in Österreich, aber auch international, bei. Nicht zuletzt auch dadurch, dass das Bosch Racing Team überaus erfolgreich agierte, sämtliche Titel wie Weltmeister, Europameister, Weltpokal, Mitropa Cup, viele Staatsmeistertitel und europäische Zonenmeistertitel konnte man sich auf die Siegesbrust heften.

Bezeichnend für die Popularität des Rennteams unter Jurkowitsch war eine Schlagzeile in einer österreichischen Tageszeitung, die das Bosch Racing Team Vienna mit dem österreichischen Nationalteam im Motorsport gleichsetzte – „Bosch Racing Team Vienna =Österreichisches Nationalteam.“ Eine Besonderheit und ein Zeichen für das erfolgreiche Engagement von Bosch war, dass es auf drei österreichischen Rennstrecken sogenannte „Bosch-Kurven“ gab. Eine davon war jene am 1970 eröffneten Österreichring, sie war eine geliebte und gefürchtete Hochgeschwindigkeitskurve. Die zweite „Bosch-Kurve“ befand sich am Salzburg-Ring und die dritte auf einem Asphaltrundkurs für Karts in Michelhausen.

Bosch Renndienst in Österreich

Die Bosch Motorsportaktivitäten in Österreich wären undenkbar ohne den legendären Bosch Renndienst-Bus. Im Jahr 1963 erblickte der Renndienst-Bus bei Mercedes Benz in Stuttgart unter der Bezeichnung LP 323 das Licht der Welt und wurde im Jahr 1973 vom Generalvertreter für Bosch in Österreich, dem Unternehmen Elektro-Diesel, nach Österreich gebracht und bei den heimischen Motorsportveranstaltungen eingesetzt. Bei Fahrzeugbau Vetter wurde das Fahrzeug als Bosch Renndienst-Bus geplant und gebaut. Das Fahrzeug ist bis heute im Originalzustand erhalten. Eine technische Besonderheit macht den Wagen geländegängig. Das Fünfganggetriebe verfügt über einen speziellen Kriechgang mit extrem kurzer Übersetzung für schwieriges Gelände, etwa bei Moto-Cross Austragungsorten. An allen vier Seiten des Fahrzeugs garantieren hydraulische Stempel, die einzeln gehoben werden können, exakte Prüf-, Wartungs- und Reparaturarbeiten. Der Bus ist eine fahrende Bosch-Werkstatt.

Damals wie heute mussten Zündkerzen geprüft und gewechselt werden. Der Bus hatte ein ständiges Sortiment von rund 60 verschiedenen Zündkerzentypen, Zündsystemen, Zündverteilern, Zündspulen und vieles andere mit an Bord. An der Rennstrecke musste mit Bordmitteln des Fahrzeugs geprüft und eingestellt werden. Ebenso ist der Wagen für Reparaturen aller Art der elektrischen Systeme von Lichtmaschinen bis zur Einspritztechnik von Rennfahrzeugen gerüstet. Es gibt im Wagen unter anderem eine Werkbank, einen Schraubstock und ein Sandstrahlgebläse. Er diente aber auch als Journalistentreff. In einergemütlichen Konferenzecke im Heck des Busses konnten Reporter, Fachkollegen oder Piloten Fragen stellen, fachsimpeln oder Interviews geführt werden. Der Bus verfügt über eine eigene Wasserversorgung, einen Kühlschrank für Erfrischungen und Snacks und einen Stromgenerator. Die Farben des Busses sind prägnant in Gelb/Rot gehalten, was allerding nicht immer so war, über die Jahrzehnte wurde der Rennbus fünfmal umlackiert, wobei der Urzustand der Beschriftung aus dem Baujahr 1963 heute wiederhergestellt ist.

Gemeinsammit dem Bosch-Schriftzug war und ist der Renndienst-Bus immer noch optisch auffallender Werbeträger. Von 1989 bis 2012 wurde er auch von der Obersten Nationalen Sportkommission (OSK , heute AMF – Austrian Motorsport Federation) bei der technischen Abnahme für die Abgasüberprüfung der Rallyefahrzeuge mit dem Bosch Abgastester genutzt, da Abgaskatalysatoren bei den teilnehmenden Fahrzeugen der Österreichischen Rallye-Staatsmeisterschaften Pflicht waren. Willi Angerer, auch Fahrer des Bosch Renndienst-Busses ,prüfte im Namen der OSK die einwandfreie Funktion der Katalysatoren an den teilnehmenden Rennfahrzeugen zum Prüfeinsatz. Alle 4 Treibstoffarten kommen in der Österreichischen Meisterschaft zum Einsatz. In den Jahren wurden 1.028 Tageseinsätze und 265.500 Kilometer im Dienste des Bosch-Motorsports gefahren. Heute ist der legendäre Bosch Renndienst-Bus nun 55 Jahre jung und immer noch unterwegs.

Und heute...

Noch heute pflegt Bosch die Authentizität und Historie der Marke bei historischen Veranstaltungen, wenngleich Bosch heute als internationaler Konzern in unzähligen Wirtschaftssegmenten aktiv ist. Der Bosch Renndienst-Bus wird weiterhin von Norbert Jurkowitsch betreut, und es ist ihm zu verdanken, dass der Renndienst-Bus auch heute noch neugierige Blicke an den Rennstrecken Europas auf sich zieht. Bei heutigen Veranstaltungen, bei denen der Bus im Einsatz ist, steht oft die Software elektronischer Komponenten im Vordergrund. Die klassischen Aufgaben, wie Zündkerzen, sind weitgehend in den Hintergrund getreten. Bosch Automotive Tradition ist heute ein wichtiger Brückenschlag vom Jetzt in die Vergangenheit, um auch in Zukunft klassische Fahrzeuge auf den Straßen als rollendes Kulturgut zu erhalten.

Bei der Bestimmung des passenden Ersatzteils unterstützt Bosch Automotive Tradition die Liebhaber von Old- und Youngtimern mit einer umfangreichen Wissensdatenbank im Internet. Unter dem Navigationspunkt „Wissen“ auf der Internetseite www.automotive-tradition.de stehen über 16.500 Dokumente zum kostenlosen Download bereit. Die Recherche in den Dokumenten liefert Antworten beispielsweise auf die Frage, welcher Starter in einem Fahrzeug ursprünglich verbaut war, in welchen unterschiedlichen Fahrzeugen ein bestimmter Generator eingesetzt wurde, oder auch Informationen zu alternativ verwendbaren Ersatzteilen. Die Geschichte des Motorsports in Österreich ist mit der Marke Bosch untrennbar verbunden und ist damit ein herausragendes Beispiel einer nachhaltigen und erfolgreichen Markenstrategie.

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