Montag, 26. Juni 2017
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Perfektion des Doppelkolbens — Von der Puch N bis zur SGS

von Prof. Friedrich Ehn

Mit der TF beginnt‘s

Schon 1945, als das Werk schwer beschädigt ist, beginnt im Herbst bereits die Produktion vonMotorrädern unter widrigen Verhältnissen. Für Werksdirektor Rösler ist es klar: Das Ziel ist dieProduktion einer neuen 250 ccm Maschine. Damals der Inbegriff des „klassischen“ Bikes für denMarkt, insbesondere für den Home-Market. An einen Export ist ja vorerst aufgrund der BesetzungÖsterreichs und der Teilung in die vier Besatzungszonen der Siegermächte (Russen, Amerikaner,Franzosen und Engländer) nicht zu denken. Eine Viertellitermaschine gilt damals so viel wie heuteein Mittelklassewagen.

Im Solobetrieb sportlich genug für Wettbewerbe, als Beiwagenschlepper ein Fahrzeug für Familie undBeruf. Doch infolge der Zwangsbewirtschaftung der Rohstoffe durch die Besatzungsmächte beginnendie Puch Werke mit der Produktion der noch im Krieg entwickelten neuen Type Puch 125. Dieses Modell,mit den Nachfolgetypen 125, 125 T und TS sowie 125 TT und TTS passt sich genau den Erfordernissender Zeit an. Genügsam im Verbrauch, sparsam in den Produktionsressourcen, dennoch robust undeinfach zu bedienen. Diese „kleinen“ Doppelkölbler sind jedoch eine andere Geschichte.

Am 11. März 1948 reisen Werksdirektor Rösler und Chefkonstrukteur Kuttler zur 18. Int. Automobil- undMotorradausstellung nach Genf, um dort ihre bereits im Krieg entwickelten „großen Doppelkölbler“mit einem Viertelliter Hubraum, die Type Puch 250 N, zu präsentieren.

Der Schock beim Vergleich mit der Konkurrenz ist riesig. Rösler zu Kuttler: „Was sehen Sie hier?“Kuttler sehr betreten: „Lauter 250 N, Herr Direktor.“ Denn die Konkurrenzprodukte zeigen ebenfallsdie gleichen Konstruktionsprinzipien wie die Puch 250 N: ungefederter Rahmen, Dreigangschal tung und zerklüftete Bauweise nach Vorkriegsart. Darauf Rösler: „Fahren Sie sofort nach Hauseund konstruieren Sie alles neu. Teleskopfederung von Vorder- und Hinterrad, vier Gänge, eleganteLinienführung und – eine außergewöhnliche Farbe: ivory-gelb.“

1949 ist die „gelbe“ Puch TF im Handel. Sie schlägt ein wie eine Bombe – bei Publikum und Konkurrenz.So siegt Weingartmann beim Bol d‘Or Rennen 1951 in Frankreich mit 2.058 km in 24 Stundenund stellt damit einen neuen Rekord in der Viertelliterklasse auf. Die TF ist aber auch ein tapferesSchlepptier am Beiwagen und unverwüstliches, braves Familienfahrzeug. So erhält sie bald von derMotorradfahrerschaft den Ehrennamen „die steirische Norton“ (Britische Edelmarke, Anm.).

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