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Sechs Jahre Ventilspiel - Motorsport wie damals

Sechs Jahre Ventilspiel - Motorsport wie damals

von Christian Schamburek

Ladislaus E. Almásy und Porsche

Im Jahr 1944 war Almásy an der Operation Dora beteiligt. Ziel war, einen aufgegebenen italienischen Flugplatz in der Libyschen Wüste zurückzuerobern, um deutschen Agenten das Errichten von Funkhorchposten in Nordafrika zu ermöglichen. Die Operation scheiterte. Nachdem sich zeigte, dass der deutsche Afrikafeldzug ohne Sieg zu Ende geht, wurde Almásy in die Türkei versetzt, wo er an der Vorbereitung eines Aufstandes in Ägypten beteiligt war, der aber nie zustande kam.

Er kehrte schließlich nach Budapest zurück, wo er seine Kontakte zur katholischen Kirche nutzte, um einige jüdische Familien vor ihrer Deportation in Konzentrationslager zu retten. Nach dem Krieg wurden Almásy seine undurchsichtigen Verwicklungen zum Verhängnis. Er wurde in Ungarn festgenommen und kam in sowjetische Gefangenschaft. Nach der kommunistischen Machtübernahme in Ungarn wurde Almásy wegen Hochverrats vor einem Volksgericht angeklagt, jedoch freigesprochen. Angeblich unter Mithilfe der Briten kam er nach Österreich in ihre Besatzungszone und wurde später bei der Weiterreise nach Ägypten auch unterstützt. Almásy hielt sich dann auf Einladung von König Farouk in Ägypten auf und wurde Technischer Direktor des neu gegründeten Wüstenforschungsinstitutes, das heute im Al-Matariyyah-Distrikt von Kairo zu finden ist.

Ladislaus E. Almásys Lebensweg endete 1953 in Österreich. Er erkrankte an Amöbenruhr und starb in Salzburg. Seine ehemaligen ungarischen Flugschüler errichteten eine Gedenkstätte in Form eines Grabmals, das ihn als Piloten, Saharaforscher und Entdecker der Oase Zarzura ehrt. Almásys Erben, Alexander und Andrea Almásy, die die Burg als historisches Kleinod im Rahmen eines Burghotels führen, finden immer wieder in den Archiven und in Familienalben geschichtliche Juwelen aus der Vergangenheit, so geschehen mit Fotos und einer Geschichte, die Ladislaus Almásy in Ägypten zeigen, in einer kurzen Episode, die Marke Porsche in Ägypten zu etablieren.

Alexander Almásy erzählt:

„An einem kalten Winterabend durchstöberte ich einige alte Familienalben und stieß auf die Porsche-Episode unseres lieben Verwandten. Einige vergilbte Bilder zeigen Porsche 356 A-Serie, Coupé und Cabrio, einen Schwimmwagen mit seinem Bruder Janos, seiner Mutter, und Dorthy sowie Franzi Auersperg auf einer Ägyptenreise. Wir haben dann Aufzeichnungen studiert, um herauszufinden, was es denn mit diesen Fotos auf sich hat. Selbst das Porsche Museum war von diesen historischen Aufnahmen hellauf begeistert, wenn auch manche Details für die Marke nicht sehr schmeichelhaft sind.“ (lacht verschmitzt – Anm. des Autors).

Der Porsche 356 war das erste Serienmodell, von Porsche entwickelt und produziert. Die Typbezeichnung 356 für den Wagen war die laufende Nummer dieser Porsche-Konstruktion. Der Motor hatte die Konstruktionsnummer 369. Als „Geburtstag“ des Porsche 356 gilt der 7. Juli 1948. Bereits zu Beginn der Produktion konnte der Wagen als Coupé oder Cabrio erworben werden. Erkennbar sind die ersten Porsche 356 an der zweigeteilten Windschutzscheibe aus Sekuritglas.

Wir schreiben die Jahre 1948-49, die turbulenten Kriegsjahre waren zu Ende gegangen und Ladislaus versuchte nach seiner sowjetischen Gefangenschaft und der Anklage wegen Hochverrats in Ungarn wieder Fuß zu fassen. Wie sein aufregendes und abenteuerliches Leben zeigt, begleiten Autos und Flugzeuge seinen gesamten Lebensweg. Der Plan, den er verfolgte, war die Marke Porsche in Ägypten zu positionieren. Er verschiffte die beiden Porsche Roadsters und den Schwimmwagen von Genua nach Alexandria und reiste mit seinem Bruder, seiner Nichte – meiner Schwiegermutter – und den Auerspergs nach Ägypten. Er hatte aufgrund seiner vielen Jahre in Nordafrika hervorragende Verbindungen zu wohlsituierten Kreisen, unter anderem auch zu Taher Pasha, einem türkischen Prinzen und Neffen König Faruks, der nach dem ersten Weltkrieg in Ägypten mit großem Vermögen und Besitzungen in nicht unbeträchtlichem Ausmaß lebte. Ladislaus Almàsy schaffte es, Taher Pasha die beiden Porsche 356er Modelle zu verkaufen, um ein gutes Argument und einen Verkaufserfolg gegenüber Porsche zu haben und gute Stimmung für seinen Plan zu verbreiten. Taher Pasha war als Opinion Leader gedacht.

Die beiden Porsches waren im Besitz von Prinz Taher Pascha. Nach dessen politischen Sturz ging Taher Pascha zumindest mit dem 356-003 in die Schweiz. Bevor es dazu kam, hatte der Prinz Ladislaus Almásy und seine Familie dazu eingeladen, mit seinen beiden Porsches eine Rundreise durch

Ägypten zu machen. Der Schwimmwagen gehörte einem befreundeten Ehepaar aus Niederösterreich. Die gesamte Reise ist mit Fotos dokumentiert. Die Karosserie des abgebildete 356-003 wurde von Fa. Beutler in der Schweiz aufgebaut (alle Cabrios wurden von Beutler (CH) oder Keibl (Wien) eines von Tatra (Wien) aufgebaut und nicht von Porsche selbst), war ein Werksprototyp W7 und wurde am 28.10.1949 an Graf Ladislaus ausgeliefert. Der ebenfalls abgebildete 356-033 an Mohamed Taher Pascha stammt aus der Auslieferungstranche Juni / Juli 1950.

„Porsche sollte als sportliche Luxusmarke etabliert und die Modelle Kübelwagen und Schwimmwagen als Massenmodelle positioniert werden. Nun der Plan war gut und durchaus vielversprechend, Porsche wollte aber trotz der Tatsache, dass Almásy schon 2 Fahrzeuge verkauft hatte, weitere Sicherheiten um der Erschließung des ägyptischen Marktes zuzustimmen. Als Sicherheiten sollte der Forstbetrieb rund um die Heimatburg Schloss Bernstein herhalten. Die Familie wäre einverstanden gewesen, doch kurz nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, wurde Holz als „wirtschaftswichtiges Volkseigentum“ betrachtet und durfte damit nicht verpfändet werden. Damit löste sich die Idee in Schall und Rauch auf“.

Was bleibt sind alte Fotos und Erinnerungen an Ladislaus E. Almásy und Porsche - die unbekannte
Geschichte einer Kurzzeitbeziehung.

 

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