Wie begeistert man junge Menschen für historische Fahrzeuge, Technik und Handwerk? Am besten, indem man sie nicht nur darüber sprechen lässt, sondern sie direkt einsteigen, mitfahren und selbst mitarbeiten lässt. Genau das zeigte eine besondere Aktion in Steinbrunn, bei der Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Oldtimerbesitzerinnen und -besitzern einen Vormittag lang in die Welt klassischer Fahrzeuge eintauchen konnten.
Der Tag begann mit einem Treffpunkt in Steinbrunn, bevor es weiter zur HTL ging, wo bereits ein Kamerateam des ORF auf die Ankunft wartete. Die historischen Fahrzeuge wurden im Hof aufgestellt und sorgten sofort für Aufmerksamkeit. Für die Jugendlichen war es die erste Gelegenheit, jene Oldies aus nächster Nähe zu sehen, mit denen sie den Vormittag verbringen sollten. Anschließend ging es im Konvoi zurück nach Steinbrunn. Mit den Schülerinnen und Schülern in den Fahrzeugen und dem ORF im Schlepptau führte die Fahrt zur Firma KFZ Ullrich. Dort wurde das Projekt offiziell begrüßt und der Praxisteil des Tages begann. Auf der Hebebühne stand Rudis Corvette, an der gemeinsam mit den Jugendlichen eine Überprüfung nach §57a durchgeführt wurde. So wurde aus Theorie echte Werkstattpraxis.
Auch abseits der Hebebühne wurde Technik greifbar. An der Werkbank zerlegte einer der Schüler einen Rochester-Vierfachvergaser, um den Fehler zu finden, warum der Wagen beim Beschleunigen „hustet und spuckt“. Mit Interesse, Geduld und technischem Verständnis gelang es ihm schließlich, die Ursache zu entdecken – eine starke Leistung, die zeigte, wie viel Begeisterung für alte Fahrzeugtechnik in der jungen Generation steckt. Draußen gab Andreas Kuchelbacher Einblicke in sein Wissen rund um den Motorsport. Währenddessen traf auch die Bürgermeisterin von Steinbrunn ein, um sich persönlich ein Bild von der Aktion zu machen. Kurz darauf besuchte auch Mst. Andreas Wirth, Präsident der burgenländischen Wirtschaftskammer und neu gewählter Wirtschaftsbundobmann, die Veranstaltung. Er zeigte großes Interesse an dem von Michael Böck initiierten und vom ÖMVV unterstützten Projekt und lobte den Einsatz der Beteiligten.
Das ORF-Team führte Interviews mit Schülern, Fahrzeugbesitzern, Andreas Kuchelbacher und Andreas Wirth. Auch das Fahrgefühl in einem historischen Auto war Thema. Besonders eindrucksvoll beschrieb ein Schüler seine Runde im Olds 442 durch Steinbrunn: „Es ist schon etwas ganz anderes mit so einem alten Auto zu fahren als mit einem neuen Wagen. Die Bremse spricht ganz anders an und auch die Lenkung ist nicht so direkt wie bei meinem, aber es ist ein tolles Gefühl.“ Genau dieses Erlebnis machte den Vormittag so besonders. Die Jugendlichen lernten nicht nur etwas über Motoren, Vergaser, Bremsen und Prüfverfahren, sondern auch darüber, wie sich Mobilität früher angefühlt hat. Oldtimer wurden damit nicht als museale Objekte gezeigt, sondern als lebendige Technikgeschichte, die man hören, riechen, fühlen und fahren kann.
Nach erfolgreicher Mithilfe der Schüler erhielt Rudis Corvette schließlich ihr „Pickerl“. Zur Stärkung gab es Wurst- und Käsesemmeln vom örtlichen Fleischhauer, Getränke und Knabbergebäck. Auch die Lehrer nutzten die Gelegenheit zum Austausch mit den Clubmitgliedern. Die Atmosphäre blieb den ganzen Vormittag über offen, interessiert und familiär. Zum Abschluss wurden den Schülerinnen und Schülern Club-T-Shirts überreicht. Außerdem erhielten sie eine Einladung zur Oldtimermesse in Tulln, ermöglicht durch Freikarten von Manfred Hogl. Dort wird am Sonntag, dem 10. Mai, der FIVA Culture Award 2025 von Karlheinz Jungbeck, Chairman der FIVA Culture & Youth Commission, an den ÖMVV übergeben. Auch die Custom Cruisers werden im Rahmen dieses Projekts Erwähnung finden und gemeinsam mit den Schülern auf der Bühne vorgestellt.
Die Aktion in Steinbrunn zeigte eindrucksvoll, wie wertvoll der direkte Austausch zwischen Generationen sein kann. Historische Fahrzeuge erzählen Geschichten – über Technik, Design, Handwerk und eine andere Art des Fahrens. Wenn junge Menschen diese Geschichte selbst erleben dürfen, entsteht mehr als ein kurzer Werkstattbesuch. Es entsteht Begeisterung, Verständnis und vielleicht sogar der Wunsch, dieses Kulturgut weiterzutragen.