Was macht eigentlich Fahrspaß? Eine Studie geht dem Gefühl auf den Grund.
Geschwindigkeit allein macht noch keinen Fahrspaß. Zu diesem durchaus spannenden Ergebnis kommt eine neue Castrol-Studie, die untersucht hat, was sich beim Fahren im Kopf und Körper tatsächlich abspielt. Im Mittelpunkt stand die Frage: Was passiert in jenem besonderen Moment, in dem Fahrer und Auto scheinbar zu einer Einheit verschmelzen?
Für die Untersuchung wurden Teilnehmer mit Sensoren ausgestattet, die Gehirnaktivität, Augenbewegungen, Herzfunktion und Hautreaktionen erfassten. Getestet wurde auf einer abgesperrten Strecke in Großbritannien – vom langsamen Offroad-Fahren bis zum Einsatz eines Rennwagens.
Drei Faktoren für den perfekten Moment
Die Wissenschaftler identifizierten drei entscheidende Komponenten des Fahrspaßes: körperliche Aktivierung, geistige Konzentration und emotionale Begeisterung. Besonders wichtig ist dabei das Gefühl, das Fahrzeug jederzeit unter Kontrolle zu haben. Treffen alle drei Faktoren in der richtigen Balance zusammen, kann ein regelrechter „Flow“-Zustand entstehen.
Wird dagegen einer dieser Faktoren zu intensiv, kann der positive Nervenkitzel in Stress oder Angst umschlagen. Genau das zeigte sich bei einer Mitfahrt im Rennwagen: Obwohl die Geschwindigkeit hoch war, deuteten die Messwerte eher auf Überforderung als auf konzentrierten Fahrspaß hin.
Der McLaren und die Ideallinie
Den stärksten „Flow“-Zustand registrierten die Forscher beim selbst gefahrenen McLaren Artura GT4. Die Teilnehmer zeigten dabei besonders hohe Werte für Konzentration und körperliche Aktivierung. Auch der Blick verriet die intensive Beschäftigung mit der Fahraufgabe: Im Schnitt fixierten die Fahrer die Ideallinie in den Kurven rund 70-mal pro Minute und blinzelten lediglich 2,5-mal pro Minute.
Interessant ist der Vergleich mit der Mitfahrt im Rennwagen. Dort stieg die Zahl der Blickfixationen auf 190, während die Teilnehmer rund 40-mal pro Minute blinzelten. Das deutet laut Studie auf ein deutlich reaktiveres und weniger kontrolliertes Blickverhalten hin.
8 km/h können reichen
Für Oldtimerfans besonders interessant dürfte allerdings eine andere Erkenntnis sein: Fahrspaß braucht keine hohen Geschwindigkeiten.
Auf der engen und kurvenreichen Kartbahn erreichten die Teilnehmer trotz moderater Höchstgeschwindigkeiten die für Fahrspaß relevanten körperlichen, geistigen und emotionalen Zustände. Noch deutlicher wird es beim Offroad-Test: Dort lag die Durchschnittsgeschwindigkeit gerade einmal bei rund 8 km/h - trotzdem entstand ein intensives Fahrerlebnis.
Eine schnelle Mitfahrt im Rennwagen schnitt dagegen beim empfundenen Nervenkitzel schlechter ab. Die Studie legt damit nahe: Nicht die Zahl auf dem Tacho ist entscheidend, sondern die Konzentration auf die Fahraufgabe und das Gefühl, das Auto souverän zu beherrschen.
Was das für Oldtimerfahrer bedeutet
Natürlich wurde die Studie nicht speziell für klassische Automobile durchgeführt. Trotzdem lässt sich eine interessante Parallele ziehen: Gerade beim Oldtimerfahren stehen häufig nicht Höchstgeschwindigkeit und maximale Leistung im Vordergrund. Es sind vielmehr die direkte Rückmeldung der Lenkung, das Arbeiten mit Getriebe und Kupplung, Motorgeräusch, Geruch und die bewusste Auseinandersetzung mit dem Fahrzeug, die den Reiz ausmachen.
Die Studie liefert dafür zumindest eine wissenschaftliche Erklärung: Fahrspaß entsteht offenbar dann, wenn Wahrnehmung, Konzentration, Emotion und Kontrolle zusammenkommen. Das kann auf der Rennstrecke passieren – aber ebenso auf einer kurvenreichen Landstraße oder bei einer entspannten Ausfahrt mit einem historischen Fahrzeug.
Und vielleicht ist genau das die schönste Erkenntnis der Untersuchung: Man braucht weder einen Supersportwagen noch hohe Geschwindigkeiten, um echten Fahrspaß zu erleben.
Quelle: Castrol EDGE Studie „Thrill of Driving“ / Brainbox, veröffentlicht am 25. August 2026. Die in der Studie beschriebenen Fahrversuche fanden ausschließlich auf abgesperrten Strecken und unter professioneller Aufsicht statt.